Klinik-News
Neue Perspektiven für Alzheimer-Krankheit, Epilepsie und Multiple Sklerose
Datum: 15.07.2010
UKE-Forscher entdecken neuen Mechanismus des Lernens im Gehirn
Eine Forschergruppe um Prof. Dr. Melitta Schachner, Zentrum für Molekulare Neurowissenschaften Hamburg (ZMNH) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat in einer Studie nachgewiesen, dass die sogenannte Hyaluronsäure eine wesentliche Rolle in der Gundlage des Kurz- und Langzeitgedächtnisses spielt. Basierend auf dieser Entdeckung ist denkbar, dass es einen Zusammenhang zwischen der Hyaluronsäure und bestimmten Krankheitsbildern gibt. So wurden in der Vergangenheit bei Alzheimer-Kranken, Epileptikern und an Multiple Sklerose erkrankten Menschen erhöhte Mengen an Hyaluronsäure im Nervensystem festgestellt. Die Studie wird am 15. Juli in der international renommierten Fachzeitschrift Neuron veröffentlicht.
Die Studie mit dem Titel "The extracellular matrix molecule hyaluronic acid regulates hippocampal synaptic plasticity by modulating postsynaptic L-type Ca2+ channels" wurde von Dr. Alexander Dityatev und Prof. Melitta Schachner am ZMNH, UKE initiiert und von der Arbeitsgruppe von Dr. Alexander Dityatev am italienischen Institute of Technology in Genua in enger Zusammenarbeit mit den Gruppen von Prof. Dmitri Rusakov an der University College of London, von Prof. William Catterall an der University of Washington sowie von Prof. Andreas Engel, Institut für Neurophysiologie, UKE, durchgeführt.
Die Hyaluronsäure ist eine wesentliche Komponente der die Nervenzellen umgebenden extrazellulären Matrix, also eines molekularen Gerüsts, das die Nervenzellen umgibt. Die Forscher haben herausgefunden, dass ein Entfernen der Hyaluronsäure sowohl das kontextuelle Gedächtnis als auch die synaptische Plastizität beeinträchtigt. Die synaptische Plastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, die Stärke der Kontakte zwischen den Nervenzellen in Abhängigkeit von äußeren Reizen zu verändern, bildet die Grundlage für das Kurz- und Langzeitgedächtnis. Der Grund dafür ist, dass die Senkung des Gehalts an Hyaluronsäure die Aktivität von sog. L-Typ Kalziumkanälen vermindert und damit den Einstrom von Kalzium-Ionen in die Nervenzellen beeinträchtigt, was für die synaptische Plastizität jedoch unbedingt erforderlich ist. Basierend auf dieser Entdeckung ist es denkbar, dass ein Überschuss an Hyaluronsäure in der extrazellulären Matrix die Aktivität der Kalziumkanäle abnorm erhöhen und dies wiederum zu pathologischen Formen der Plastizität beitragen könnte.
Kontakt für
Journalisten
Prof. Dr. Melitta Schachner unter
schachner@uke.uni-hamburg.de
Prof. Dr. Andreas
Engel unter ak.engel@uke.uni-hamburg.de und
Telefon 040-7410-56170
Für Rückfragen:
Christine Jähn
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
(040) 7410-57553
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