Klinik-News

Schonende Eingriffe ohne Operation bei „Schaufensterkrankheit"

Datum: 20.08.2010

Dritter Eingriff weltweit mit neuer Prothese im St. Adolf-Stift

Bei der verbreiteten „Schaufensterkrankheit" gibt es jetzt durch extra-lange Gefäßstents die Möglichkeit besonders schonender Eingriffe ohne Operation.

Vor allem ältere Menschen leiden oft unter der so genannten „Schaufensterkrankheit": durch schwere Beine und starke Schmerzen müssen sie bereits nach wenigen Geh-Metern pausieren und sich vermeintlich Schaufenster anschauen. Grund dafür: Durch Ablagerungen in den Arterien kommt es zu Verschlüssen, so dass neues Blut nicht mehr ausreichend in die Beine gelangt. Der Körper sucht sich neue Wege außerhalb der verstopften Arterien, doch das reicht selten, um das Durchblutungsdefizit zu kompensieren.

In den letzten Jahren wird vermehrt bei Risikopatienten (hohes Alter, weitere Krankheiten) darauf verzichtet, zur Behebung dieser Verschlüsse einen Bypass operativ von der Leiste bis zum Knie zu legen. Stattdessen wird die Wiederöffnung der verschlossenen Arterie durch die so genannte „interventionelle Radiologie" bevorzugt, etwa durch eine Ballonweitung oder Implantation einer Gefäßprothese mit Hilfe eines Katheters. Diese Methode wird im Vergleich zur traditionellen Bypass-Operation immer beliebter, da sie mittlerweile gleichwertige Ergebnisse liefert und aufgrund der kurzen Liegezeit von nur einer Nacht gegenüber der von einer Woche; und auch der schnelleren Mobilisierung nach dem Eingriff weniger belastend ist.

Um eine in voller Länge verschlossene Oberschenkelarterie wieder zu eröffnen, mussten bei einer Länge von bis zu 25 cm aufgrund der Materialbeschaffenheit zwei Prothesen miteinander verbunden werden. Mit dem Nachteil, dass durch vermehrte Ablagerungen im Verbindungsstück erneut Verschlüsse entstanden. Seit Mitte Juli ist eine neue Generation von Gefäßprothese in einer Länge von 25 cm erhältlich. Der dritte Eingriff mit dieser extra-langen Prothese weltweit wurde im Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift von Prof. Dr. med. Gerrit Krupski-Berdien durchgeführt. Der Chefarzt der Radiologie implantierte Mitte Juli einer 67-jährigen Patientin zunächst in ihrem linken Oberschenkel ein so genannte „Viabahn". Hannelore Wulff litt bereits länger unter der Schaufensterkrankheit und konnte mit ihrem Hund nicht mehr lange Spazieren gehen, weil ihre Beine schwer wurden. Hannelore Wulff freute sich besonders über die kurze Liegezeit nach dem Eingriff. „Ich konnte gleich am nächsten Tag entlassen werden und hatte keine Vollnarkose und weniger Schmerzen als nach einer großen Operation." Aufgrund des kleineren Eingriffs sind darüber hinaus auch die Kosten dieser schonenden Methode für die Krankenkassen geringer. Ende August folgt dann bei Hannelore Wulff die Behandlung des rechten Beins.

Die neuartige Gefäßprothese ist in einer kürzeren Version von bis zu 15 cm bereits seit einem Jahr für den europäischen Markt zugelassen. Bei lokaler Betäubung wird in die zerstörte Arterie ein Katheter eingeführt, dessen Sitz immer wieder durch lokales Röntgen des Oberschenkels überprüft wird. Ist die Arterie komplett nachgezeichnet, wird in das Innere des Katheters die Viabahn eingeführt und am Ende aufgedehnt. Die Prothese besteht aus einem mit Heparin beschichteten Goretex-Schlauch mit Metallarmierung. Der Reinbeker Chefarzt arbeitet seitdem sehr gern mit dem neuen Stent. „Das neue Material verspricht exzellente Offentheitsraten, stellt also besser sicher, dass es nicht so leicht wieder verstopft", erläutert Krupski-Berdien. „Die bisherigen metallischen Gefäßstützen gab es nur in einer Länge von17cm und sie zeigten bei längeren Strecken erneute Verschlüsse und an besonders bewegungsreichen Stellen wie Oberschenkeln und Knien vermehrt Materialbrüche."

Seit Zulassung und Verfügbarkeit der Heparin beschichteten Gefäßprothese vor einem Jahr wurden in der Radiologie des Krankenhauses Reinbek 15 Patienten mit langstreckigen oder Rezidivverschlüssen (wieder aufgetretene Enge nach Vorbehandlung) am Oberschenkel (also Schaufensterkrankheit), 7 Patienten mit Hämodialyse-Shunts (für die Dialyse bei Nierenversagen) und 4 Patienten mit Aneurysma (also eine gefährliche Ausweitung) der Kniegelenksarterie erfolgreich behandelt. Prof. Krupski-Berdien ist sich sicher: „In Zukunft werden immer mehr Patienten mit diesem schonenden Verfahren behandelt werden, nicht nur ältere und kranke Menschen. Die extra langen und flexiblen Stents werden diesen Trend noch verstärken."

Hintergründe zum Thema Interventionelle Radiologie siehe Anlage.

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