Klinik-News

Europas größtes Klinik-Cluster macht in Hamburg Weiterbildung zugänglich

Datum: 27.08.2010

Reaktion auf Mainz und Marburg: Großkliniken, Ärzteakademie und Laborgesellschaft öffnen interne Schulungen für andere Kliniken

Reaktion auf die im hessischen Marburg bekannt gewordene Verwechslung einer Blutkonserve mit tödlichem Ausgang für den Patienten sowie auf die Vorkommnisse an der Uniklinik Mainz: das größte Klinik-Cluster Europas (die Hamburger Asklepios Kliniken) hat sich entschlossen, seine speziellen, bislang rein internen, Schulungen und Kontrollverfahren auch Mitarbeitern anderer Kliniken und Großpraxen zugänglich zu machen. Die meisten Fehler in der Transfusionsmedizin passieren durch den menschlichen Faktor wie z.B. falsche Anwendung von Regeln, Fehlinterpretationen, Unterbrechung der Routine oder Ablenkung. Organisiert wird das Angebot von Asklepios zusammen mit der Ärzteakademie Hamburg und dem Großlabor MEDILYS, das pro Jahr rund 7,5 Millionen Analysen auf dem Gebiet der Klinischen Chemie, Infektionsserologie und Transfusionsmedizin durchführt sowie 220.000 bakteriologische Einsendungen bearbeitet. Zusätzlich betreibt Medilys eine eigene Abteilung Hygiene.

Zum aktuellen Marburger Fall

Die "Schädlichkeit" einer Fehltransfusion hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von den Blutgruppen von Spender und Empfänger. Auch endet nicht jede Fehltransfusion mit Symptomen tödlich. Es gibt Therapieoptionen. Bei der Bluttransfusion beginnt die Verwechslungsgefahr schon bei der Blutentnahme am Patienten zur Blutgruppenbestimmung und zur Verträglichkeitsprobe der Blutkonserven.

Deshalb ist jedes Probengefäß vor der Blutentnahme eindeutig zu kennzeichnen, die identitätssichernde Person erklärt mit nach Kontrolle per persönlicher Unterschrift auf dem Einsendeformular, dass die Identität des Patienten (Name, Vorname, Geburtsdatum) und die persönliche Überprüfung der Daten am Patienten mit den Angaben auf dem Probengefäß übereinstimmen. Um Verwechslungen und Fehlbestimmungen aufzudecken erfolgen - außer in Notfällen - die Blutentnahmen zur Blutgruppenbestimmung und zur Verträglichkeitsprobe zu unterschiedlichen Zeiten. Das Labor versieht die Blutkonserve mit einem Konservenbegleitschein, der Name und Blutgruppe des Empfängers, Blutgruppe und  Verträglichkeitsprobe der Konserve ausweist. Dieser Schein enthält eine Checkliste, die der bearbeitende Arzt persönlich durchgehen und abzeichnen muss. Dabei kontrolliert der Arzt insbesondere:

  • Stimmen Konservennummer und Blutgruppe auf Konserve und Begleitschein überein?
  • Gehören die Personalien auf dem Begleitschein zum Patienten?
  • Ist die Blutgruppe des Patienten durch den sogenannten „Bedside-Test" bestätigt und das Ergebnis dokumentiert?
  • Ist das Haltbarkeitsdatum nicht überschritten und das Behältnis unversehrt?

Unmittelbar vor der Transfusion ist vom Arzt der Bedside-Test am Patienten vorzunehmen. Dieser Test dient der Bestätigung der zuvor bestimmten AB0-Blutgruppe des Patienten. Der Arzt muss das Ergebnis auf dem Konservenbegleitschein dokumentieren, der Schein kommt in die Krankenakte. Auch im Labor gibt es weitere strenge Vorschriften und Sicherheitsmaßnahmen, um Fehlbestimmungen durch Probenverwechslung zu vermeiden: Vergleich der Angaben auf Probe und Begleitschein, Barcodeerkennung durch Blutgruppenautomaten, Warnung durch die Labor-EDV bei Abweichungen zu Vorbefunden. Der transfundierende Arzt ist das letzte Glied in der Prozesskette. Wenn z.B. bei der Blutentnahme von anderen Personen eine Verwechslung stattgefunden hat, kann der Bedside-Test, d.h. die Bestimmung der AB0-Blutgruppenmerkmale als letzte Sicherheitsvorkehrung, noch immer die Verwechslung aufdecken. Dazu muss dieser Test vorschriftsgemäß durchgeführt und interpretiert werden.

Transfusion Hamburger Asklepios Kliniken

In jeder Hamburger Asklepios Klinik gibt es ein "Qualiätsmanagement-System Hämotherapie (Transfusionsvorschrift)". Dort sind alle für die klinische Anwendung relevanten Prozesse beschrieben und verbindlich festgelegt - unter Berücksichtigung der Richtlinien und Leitlinien "Hämotherapie" der Bundesärztekammer (BÄK). Dazu gehört auch ein Qualitätsmanagementsystem mit regelmäßigen Auswertungen von Transfusionsreaktionen, Transfusionszwischenfällen und Verwechslungen. Gemäß den Richtlinien der BÄK sind in jeder Klinik ein speziell fortgebildeter Qualitätsbeauftragter Hämotherapie, ein Transfusionsverantwortlicher und in jeder Abteilung ein Arzt als Transfusionsbeauftragter ernannt. Die Transfusionsbeauftragten stellen in Zusammenarbeit mit dem Transfusionsverantwortlichen die Durchführung der festgelegten Maßnahmen sicher, sie führen neue Kollegen in die Vorschriften ein. Eine Transfusionskommission, in der alle transfundierenden Abteilungen vertreten sind, tagt regelmäßig und bei Bedarf. Eine wichtige  Aufgabe ist neben der Herausgabe der Transfusionsvorschrift und der Fortbildung besonders die Bearbeitung von besonderen Vorkommnissen wie Verwechslungen oder Beinah-Fehlern.

Externe Kontrollen

Die Verfahren zum Umgang mit Blutkonserven nehmen unter dem Aspekt der Sicherheit der Patienten Zertifizierungsverfahren (wie zum Beispiel „KTQ") mit Audits durch externe Visitoren einen breiten Raum ein. Das Labor mit Blutdepot von Medilys ist nach DIN EN ISO 15189 und DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert.

Weblinks:

http://www.asklepios.com/medilys/

http://www.asklepios.com/bzg_Aerzteakademie.Asklepios

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