Pressemitteilung
Schmerzgrenze für Kliniken überschritten - Kostendämpfungspolitik auf 2011 begrenzen
Datum: 17.08.2010
DKG zum Entwurf für geplante GKV-Finanzreform
Zum Diskussionsentwurf der Koalition für die Finanzierungsreform der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) erklärt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum:
"Was die Koalition den
Krankenhäusern abverlangt, ist hart und ohne positive Perspektive für die
nächsten zwei Jahre. Mehr als eine Milliarde Euro sollen den Kliniken 2011 und 2012
entzogen werden. Das ist weit mehr als bloße Zuwachsbegrenzung. Hinzu kommen
dauerhaft angelegte Preiskürzungen, die die Krankenkassen gegenüber den
Krankenhäusern durch die Einführung von Rabattverhandlungen mit ihrer Marktmacht
durchsetzen können. Ausdrücklich zu begrüßen ist, dass die Beitragsfinanzierung
der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) durch die Finanzierungsreform auf
eine breitere Grundlage gestellt wird.
Eine mit 0,5 Prozent ohnehin viel
zu niedrige Preiszuwachsrate (Grundlohnrate) wird per Gesetz auf 0,25 Prozent
halbiert. Damit stehen den 2.080 Krankenhäusern in Deutschland im nächsten Jahr
insgesamt nur 150 Millionen Euro zur Deckung der unabweisbaren Kosten -
insbesondere Personalkostenzuwächse - von 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung.
Diese zehnfache Unterdeckung erhöht den ohnehin bestehenden
Rationalisierungsdruck in den Kliniken. Dieser wird zusätzlich dadurch
verschärft, dass auch im Jahr 2012 die für die Preiszuwächse entscheidende
Grundlohnrate halbiert werden soll.
Hinzu kommen per Gesetz verfügte
direkte Vergütungskürzungen in Höhe von 30 Prozent, wenn Kliniken mehr
Leistungen mit den Krankenkassen vereinbaren, weil mehr oder schwerere Fälle vom
jeweiligen Krankenhaus zu behandeln sind. Mit dieser harten Preisbudgetierung
werden die Kliniken von der wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt. Die
Spielräume für Tariflohnsteigerungen werden für die nächsten zwei Jahre auf fast
Null begrenzt. Die Möglichkeiten zur Lösung der Personalprobleme im
Gesundheitswesen werden stark beeinträchtigt.
Die DKG hat ihre
grundsätzliche Bereitschaft erklärt, für eine dosierte Ausgabenzuwachsbegrenzung
Verständnis aufzubringen, wenn die Lasten tragbar sind und zwischen den
Leistungserbringern gerecht und ausgewogen verteilt werden. Die Krankenhäuser
sind anerkanntermaßen der am höchsten belastete und am meisten
durchrationalisierte Bereich im Gesundheitswesen. Sie können für Sonderopfer zur
Gesundung der Krankenkassen nicht zur Verfügung stehen.
Die DKG
appelliert an die Koalitionsparteien, Öffnungsklauseln für die unabwendbare
Personalkostenlast der Krankenhäuser vorzusehen und die Kürzungen nicht in 2012
fortzuführen. Die deutlich verbesserte wirtschaftliche Lage in Deutschland muss
zum Anlass genommen werden, Kostendämpfungsmaßnahmen auf 2011 zu begrenzen."
Für Rückfragen:
Ulrike Jaenicke
Hamburgische Krankenhausgesellschaft e. V.
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