Lasst das Krankenhaus der Zukunft Realität werden

HKG fordert Auflösung von politischen Zielkonflikten
14.06.2018

Die Hamburgische Krankenhausgesellschaft (HKG) fordert den Senat und die Bundesregierung auf, die Krankenhäuser auf ihrem Weg in die Digitalisierung deutlich stärker zu unterstützen. „Es reicht nicht aus, Digitalisierung im Koalitionsvertrag als eine der wichtigsten Herausforderungen der neuen Bundesregierung auszurufen. Digitalisierung kann nur funktionieren, wenn dem begleitenden Umbau der Prozesse finanzielle und gestalterische Freiheit eingeräumt wird. Innovationen werden aber derzeit durch ein bürokratielastiges und stark vergangenheitsbezogenes Krankenhausbild der Politik unmöglich gemacht. Zahllose Strukturvorgaben zwingen die Krankenhäuser, viele innovative und sinnvolle Lösungen der letzten Jahre rückgängig zu machen. Man kann nicht auf der einen Seite Digitalisierung wollen und gleichzeitig den Krankenhäusern Strukturen aus dem 20. Jahrhundert verordnen“, erklärte der erste Vorsitzende der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft (HKG), Joachim Gemmel, anlässlich des diesjährigen Krankenhaustages, bei dem das Thema im Mittelpunkt stand.

Andere Länder wie Dänemark oder Holland hätten Deutschland beim Thema Digitalisierung längst abgehängt. Überfällig sei der weitere Ausbau digitaler Infrastruktur in den Krankenhäusern selbst, aber auch die flächendeckende Vernetzung stationärer und ambulanter Einrichtungen. Auch die IT-Sicherheit spiele eine wachsende Rolle, wie kriminelle Cyber-Angriffe auf Krankenhäuser gezeigt hätten. „Die Krankenhäuser setzen weiterhin alles daran, ihre Arbeitsabläufe auch durch Digitalisierung effizienter und damit wirtschaftlicher zu machen. Das größte Hemmnis in der Umsetzung liegt neben den erforderlichen Investitionen vor allem in der gesetzlich verordneten Flut von Strukturvorgaben, die den Krankenhäusern Bürokratie aufbürden und Strukturen auf dem Stand des letzten Jahrhunderts fordern.“, kritisierte Gemmel. Hier müsse ein politischer Zielkonflikt dringend beseitigt werden. Außerdem sollte der Bund den Ländern mit einem Sonderprogramm Digitalisierung unter die Arme greifen.

Staatliche Bürokratie überlagert Zukunftsthemen
Die Arbeit im Krankenhaus sei heute von einem unaufhörlich steigenden Dokumentations- und Bürokratieaufwand geprägt. Dazu gehörten Strukturvorgaben aus dem Landeskrankenhausplan, Notfallstufen, völlig ausufernde Kontrollen der Abrechnungsbestimmungen und von Richtlinien und Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen. Dazu kämen in Kürze bundesgesetzliche Normen wie die Pflegepersonaluntergrenzen sowie die politisch ausgerufenen Pläne zur flächendeckenden Pflegepersonalbemessung. All dies führte zu einer kaum einzudämmenden Regelungsflut, die die Mitarbeiter immer stärker von der Versorgung der Patienten oder der Beschäftigung mit Zukunftsthemen abhalte. Besonders bitter für die Krankenhäuser sei es, dass Innovationen der letzten Jahre wie interdisziplinäre Versorgungskonzepte durch die detaillierten Personalvorgaben unterschiedlicher Rechtsquellen hinfällig gemacht würden. Das Gleiche gelte für zahlreiche sinnvolle pflegeunterstützende Maßnahmen, wie bspw. die Entlastung der Fachpflegekräfte durch komplementäre Dienste.

Keine Reglementierung bei der Personalausstattung
Der politische Regelungswille, durch Pflegepersonalvorschriften dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, führe in eine Sackgasse, so Gemmel. „Anstatt in die Weiterentwicklung unserer Arbeitsorganisation investieren zu können, um den Arbeitsplatz im Krankenhaus attraktiv halten zu können, werden wir immer stärker in ein nicht passendes Korsett von Vorschriften und Kontrollbürokratie gezwungen. Bürokratie macht die Arbeit im Krankenhaus unattraktiv. Für Innovation bestehen keine Handlungsfreiräume und Ressourcen. Krankenhäuser haben schon heute erhebliche Schwierigkeiten, ausreichend Personal zu finden und zu bezahlen. Die jahrelange Unterfinanzierung bei den Erlösen sowie die mangelhafte Investitionsfinanzierung der Länder haben das Problem auf die Spitze getrieben. Kurzfristige Hilfe wäre in einem Pflegeförderprogramm zu finden, in dem jede zusätzlich besetzte Pflegestelle zusätzlich voll finanziert würde. Pauschale Vorschriften zur Personalbesetzung führten zwangsläufig zu Unwirtschaftlichkeit und Fehlversorgung. „Wer in Innovation investiert und durch digital unterstützte Prozesse sein Personal entlastet, wird bestraft, wenn er trotzdem bundesweit einheitliche Personalvorgaben erfüllen muss“, bemängelt Gemmel.

Finanzierung an der Qualität messen
Behandelt ein Krankenhaus mehr Patienten als im Vorjahr, muss es erhebliche Abschläge bei den Erlösen hinnehmen, die eine kostendeckende Behandlung der zusätzlichen Fälle unmöglich machen. Trotz bekannter Einflussfaktoren wie alternder Bevölkerung und medizinischem Fortschritt wird so das wirtschaftliche Risiko von mehr Krankenhausbehandlungen einseitig und systemfremd auf die Krankenhäuser verlagert. Dies muss geändert werden. Ebenso sollte sich die Qualität medizinischer Behandlungen primär an ihrem Ergebnis messen lassen und systemsteuernde Eingriffe sollten sich daran orientieren. Dazu müssen die etablierten Qualitätssicherungssysteme weiterentwickelt und Qualitätsergebnisse für planerische und vergütungsrelevante Entscheidungen nutzbar gemacht werden. Bereits eingeführte Strukturvorgaben sollten in allen Bereichen durch Ergebnisindikatoren ersetzt werden, für die valide Messwerte vorliegen.

Die Forderungen der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft können Sie beigefügtem Positionspapier „Das Krankenhaus der Zukunft“ entnehmen.

Zurück