Verkalkte Halsschlagadern: OP kann Schlaganfall‐Risiko reduzieren

Hamburger Krankenhausspiegel präsentiert neueste Qualitätsdaten – Sehr gute Behandlungsergebnisse in Hamburg bei Halsschlagader-Operationen
26.02.2019

Rund 15 Prozent aller Schlaganfälle haben eine verengte Halsschlagader als Ursache. Dank ausgefeilter Behandlungsmethoden ist es möglich, durch die Beseitigung der Ablagerungen in der Halsschlagader (Carotis) den Blutfluss zum Gehirn wieder zu verbessern und so einen möglichen schweren Schlaganfall zu verhindern. Wie die neuesten Qualitätsergebnisse im Hamburger Krankenhausspiegel zeigen, erreichen die Kliniken der Hansestadt hier ein sehr gutes Behandlungsniveau. Hamburg gilt in Norddeutschland als Spitzenstandort für die so genannte Carotis-Rekonstruktion.

Eine fortschreitende Verengung (Stenose) der Halsschlagader ist eine typische Erscheinungsform der Arteriosklerose, der so genannten Arterienverkalkung, die sich ansonsten vor allem an Herzkranzgefäßen, an Becken- und Bein-Arterien sowie in den Gefäßen des Gehirns auswirkt. Am Hals tritt sie typischerweise an der Verzweigungsstelle von innerer und äußerer Halsschlagader auf. „Untersuchungen zeigen, dass bei ein bis drei Prozent aller Erwachsenen eine Halsschlagaderverengung von über 50 Prozent vorliegt. Das Risiko hierfür nimmt ab dem 65. Lebensjahr deutlich zu und betrifft zwischen 6 und 15 Prozent der Bevölkerung. Das bedeutet, dass in Deutschland ca. 1 Mio. Patienten mit einer Halsschlagaderverengung von über 50 Prozent leben“, erläutert Prof. Dr. Thomas Koeppel, Chefarzt der Klinik für Allgemeine und Endovaskuläre Gefäßchirurgie der Asklepios-Kliniken St. Georg und Wandsbek. „Männer sind häufiger betroffen als Frauen.“

Hoher Blutdruck und hohe Blutfettwerte führen besonders an diesen kritischen Verzweigungen über die Jahre hinweg zu Beschädigungen der Gefäßwände, die der Körper mit der Ablagerung von Plaques aus Cholesterin und Calcium zu reparieren versucht. Dadurch verdickt und verhärtet sich die Gefäßwand immer mehr und behindert den Blutfluss zum Gehirn. Zusätzlich bildet sich in dem Engpass ein starker Sog mit Blutverwirbelungen, der Teile der Ablagerungen mitreißen, in die verästelten Adern des Gehirns schwemmen und dort einen schweren Schlaganfall auslösen kann. Werden die Gehirnzellen aber nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt, kommt es zu Symptomen eines Schlaganfalls wie Bewusstseinstrübungen, Schwindel, Sprachstörungen, Ausfällen und Lähmungserscheinungen, die im günstigen Fall nur vorübergehender Natur sind. Eine solche Transischämische Attacke (TIA) sollte aber ein ernstzunehmendes Warnsignal sein, dass die Halsschlagader krankhaft verengt ist und ein großer Schlaganfall bevorstehen kann. Expertenschätzungen zufolge gehen über 15 Prozent aller Schlaganfälle auf Verengungen an der Halsschlagader zurück.

Ist es bereits zu den beschriebenen Symptomen gekommen und ergibt die Ultraschall-Untersuchung, dass die Halsschlagader im Vergleich zu nicht erkrankten Gefäßabschnitten bereits über 50 Prozent verengt ist („symptomatische Carotisstenose“), sollte nicht länger abgewartet, sondern umgehend behandelt werden: Es droht ein schwerer, wenn nicht sogar tödlicher Schlaganfall!  „Dies geschieht nach den neuesten Zahlen des Hamburger Krankenhausspiegels in ausnahmslos allen Fällen, in denen Patienten mit diesen Symptomen in einer Klinik der Hansestadt ankommen und die von der gesetzlich verpflichtenden Qualitätssicherung erfasst werden – mit vollen 100 Prozent, also noch häufiger als im Bundesdurchschnitt, was eine hervorragende Behandlungsqualität belegt“, berichtet Dr. Claudia Brase, Geschäftsführerin der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft e.V. (HKG).

Eine Verengung der Halsschlagader führt aber nicht zwangsläufig zu Ausfallerscheinungen, sondern kann lange Zeit unentdeckt bleiben und keinerlei Beschwerden verursachen. Häufig ist es ein Zufallsbefund im Rahmen einer anderen ärztlichen Untersuchung. Ist die Verengung schon stark vorangeschritten – zu über 70 Prozent des Gefäßdurchmessers –, empfehlen die ärztlichen Leitlinien auch für diese so genannten asymptomatischen Patienten eine Operation. Dies geschieht in Hamburg bei nahezu allen Patienten aus dieser Gruppe.

„Insgesamt ist die Zahl der Operationen jedoch seit mehreren Jahren etwa gleichbleibend trotz der zunehmenden Zahl an älteren Patienten“, so Prof. Koeppel. „Es setzt sich immer mehr durch, Patienten mit einer zufällig diagnostizierten Halsschlagaderverengung – außer in den beschriebenen zwingenden symptomatischen Fällen – im Hinblick auf Blutverdünnung, Blutdruck, Cholesterin und ggf. Diabetes optimal medikamentös einzustellen und regelmäßig zu überwachen. Dazu gehört auch die Umstellung auf einen gesunden Lebensstil mit mehr Bewegung, fettarmer und kalorienreduzierter Kost, weniger Stress und vor allem komplett ohne Nikotin, da Rauchen ohne Zweifel der größte Risikofaktor ist. Neuere Untersuchungsergebnisse zeigen, dass unter dieser bestmöglichen konservativen Behandlung eine Operation keinen entscheidenden Vorteil bringt. Sofern unter diesen Umständen dennoch eine Zunahme der Verengung im Verlauf beobachtet werden kann, ist eine Behandlung zur Vorbeugung eines Schlaganfalls notwendig.

Wenn eine Operation empfohlen wird, sind Patienten in Hamburg sehr gut aufgehoben. „Aktuell führen neun Krankenhäuser rund 750 Carotis-Revaskularisationen pro Jahr durch und verfügen über eine hervorragende Expertise auf diesem Gebiet“, weiß HKG-Geschäftsführerin Dr. Brase. „Einige gelten als überregionale Spitzenstandorte, in denen besonders komplizierte Eingriffe vorgenommen werden können.“ Die offen-chirurgische Operation ist immer noch der Klassiker, weil sie den Vorteil hat, dass die Ablagerungen komplett aus der Halsschlagader entfernt werden können. Dafür ist allerdings auch der Eingriff – mit einem Schnitt am Hals und einer Öffnung der abgeklemmten Schlagader – angesichts der Nerven und Blutbahnen, die am Hals verlaufen, gerade bei komplizierteren Gegebenheiten oder besonderen anatomischen Verhältnissen des Patienten mit einem gewissen Risiko verbunden, abhängig vom Alter, von Vorerkrankungen und vom Gesundheitszustand. Erfahrene Operateure haben solche Risiken jedoch im Griff; ein Eingriff dauert, je nach Komplexität, zwischen 45 und 90 Minuten. Erfahrungsgemäß ist der unkomplizierte Eingriff für die Patienten nicht belastend, so dass sie nach der Operation wieder rasch mobilisiert werden und bereits nach 3 Tagen wieder die Klinik verlassen können.

Grundsätzlich sind zwei verschiedene offene Operationsmethoden gebräuchlich: Bei der einen, in der Fachsprache „Thrombendarterioektomie (TEA)“ genannt, wird die vom Blutstrom abgeklemmte Schlagader mit einem Längsschnitt geöffnet, die Ablagerungen herausgeschabt und entnommen und die Schnittstelle anschließend mit einem „Flicken“ (sog. Patch) verschlossen. Dieser besteht aus einem speziellen Kunststoff oder aus dem Herzbeutel von Rindern. Bei der zweiten Methode, der sog. „Eversions-TEA“, wird die innere Halsschlagader am Ursprung, der Carotisgabel, abgelöst und umgestülpt. Die Ablagerungen lösen sich dadurch leicht von der Gefäßwand ab und können am Stück herausgezogen werden. Bei beiden TEA-Varianten muss die Halsschlagader vorausgehend komplett abgeklemmt werden, damit der Patient bei der Kalkausschälung kein Blut verliert. Dieses Manöver verursacht im Regelfall wenig Probleme, da das Gehirn weiterhin über die restlichen Schlagadern versorgt wird. Kommt es bei den Patienten allerdings zu Ausfällen wegen einer Unterversorgung des Gehirns mit Blut, weil etwa andere Zuflüsse ebenfalls verengt sind, kann der abgeklemmte Abschnitt mit einem Schlauch aus Kunststoff (Shunt), durch den Blut fließt, vorübergehend überbrückt werden.

Um herauszufinden, ob ein Shunt erforderlich ist, wird die offene Operation heute in den meisten Fällen mit einer regionalen Betäubung durchgeführt. Hierfür betäubt der Anästhesist gezielt die Nerven, die für die Schmerzempfindlichkeit am Hals verantwortlich sind. Die Injektion des örtlichen Betäubungsmittels erfolgt mit Hilfe eines Ultraschallgerätes und ist für den Patienten in der Regel nicht unangenehm. „Das heißt, dass die Patienten während der Operation am Hals die ganze Zeit wach und ansprechbar sind“, berichtet Prof. Koeppel von der Asklepios Klinik St. Georg. „Dadurch können wir sofort reagieren, sollte eine Bewusstseinstrübung eintreten. Wir stellen den Patienten während des Eingriffs immer wieder Fragen und lassen sie auf Aufforderung eine Quietsche-Ente zusammendrücken. „Hierdurch können sehr einfach die wichtigsten Hirnfunktionen kontinuierlich überwacht werden“. Bei sehr ängstlichen Patienten oder aber bei sehr komplizierter Anatomie, z.B. bei einem sehr kräftigen Hals wird die Vollnarkose bevorzugt, was allerdings bedeutet, dass die Gehirnströme maschinell überwacht werden müssen.“

In den letzten Jahren kommt als Alternative zur offen-chirurgischen Operation eine Katheter-Behandlung zunehmend zum Einsatz. Durch einen kleinen Schnitt in der Leistengegend wird ein dünner biegsamer Kunststoffschlauch durch die Körperschlagader bis zum Hals geführt. Über diesen Katheter kann dann ein dünnes Metallgeflecht (Stent) als Gefäßwandstütze in die Halsschlagader eingebracht werden, um die Verengungsstelle auseinanderzudrücken. Der Vorteil ist, dass der Katheter-Eingriff nicht die Risiken einer offenen Operation hat und in der Regel einfacher durchzuführen ist. Solche Katheter-Eingriffe werden von Ärzten unterschiedlicher Fachgebiete, von (Neuro-)Radiologen, Gefäßchirurgen, Angiologen und Kardiologen, durchgeführt, teilweise auch ambulant. „Allerdings hat auch der Katheter-Eingriff Risiken und das Potential für schwere Komplikationen“, ergänzt Prof. Koeppel. „Durch das Vorschieben des Katheters in der Schlagader können Ablagerungen gelöst werden, die dann ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen können. Deswegen erfordert auch dieser Eingriff sehr viel Erfahrung und Expertise. Insgesamt ist aber das Risiko, dass Patienten während des Eingriffs einen Schlaganfall erleiden oder sogar versterben, bei beiden Operationsverfahren gering. Entscheidend ist vor allem eine optimale Abstimmung der Experten innerhalb des Behandlungszentrums. Nur so kann für den Patienten das bestmögliche Verfahren ausgewählt werden.“ Bei den offen-chirurgischen Operationen bewegt sich die Schlaganfall- und Sterberate der Hamburger Krankenhäuser durchschnittlich um 2,8 Prozent und damit in etwa auf dem Bundesniveau, bei Katheter-Behandlungen ist sie mit 3,1 Prozent sogar beträchtlich niedriger als der Bundesdurchschnitt. Ein Nachteil des Katheter-Verfahrens bleibt allerdings, dass der Engpass nur auseinandergedrückt, die Kalkschicht aber nicht aus dem Körper entfernt werden kann.

Qualitätsergebnisse aus insgesamt 23 Behandlungsgebieten

Neben den aktuellen Qualitätsergebnissen aus dem Bereich der Halsschlagader-Rekonstruktion präsentiert der Hamburger Krankenhausspiegel in ausführlichen Rubriken aufschlussreiche Qualitätsdaten aus insgesamt 23 besonders häufigen oder komplexen Behandlungsgebieten wie Schlaganfallbehandlung, Geburtshilfe, Lungenentzündung, Herzchirurgie, Herzkatheter-Eingriffe und Herzschrittmacher-Versorgung sowie Hüft- und Kniegelenk-Ersatz in leicht verständlichen Schaubildern. Ergänzt werden die Schaubilder durch Erläuterungstexte zu den Erkrankungen sowie den Diagnose- und Therapiemöglichkeiten des jeweiligen Gebiets. Ausführliche Porträts aller Krankenhäuser mit aktuellen Kontaktdaten runden das Angebot des Hamburger Krankenhausspiegels ab. Dr. Claudia Brase: „Den Patienten bietet der Hamburger Krankenhausspiegel umfassende Informations- und Vergleichsmöglichkeiten über die Krankenhäuser unserer Stadt, ihre Leistungen und ihre Behandlungsqualität.“

Weitere Informationen unter: www.hamburger-krankenhausspiegel.de

Pressekontakt:

Henry Friedrich Meyer
impressum health & science communication
Tel.: 040 – 31 78 64 27
E-Mail: meyer@hamburger-krankenhausspiegel.de

Zurück